Magazin | MutMacher
Barbara Durul (48) und Michaela Schmidhofer (43)

Zwei, die sich gesucht und gefunden haben

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Michaela Schmidhofer (links) fand bei Barbara Durul Familienanschluss.

Barbara Durul war nicht immer eine so genannte Gastmutter: „Als meine beiden ältesten Kinder zum Studium gingen, war ich mit den beiden Jüngsten allein im Haus. Platz war reichlich frei geworden und ich überlegte, welche Möglichkeiten es gibt, jemandem eine neue Bleibe mit Familienanschluss zu geben. Außer in meinem Beruf engagiere ich mich noch für die Nachbarschaftshilfe und im Generationentreff ‚Von Frau zu Frau‘ in Bad Dürrheim. Mein erster Gedanke war, eine Ersatzoma zu finden. Ich nahm Kontakt mit dem Fachdienst Netzwerker in Zimmern auf und nannte meine Wünsche. Mit der ersten Frau waren die Bedingungen nicht ideal, ein Zusammenleben passte für uns beide nicht. Danach standen die Netzwerker mit Michaela vor der Tür. Sie hat eine psychische Erkrankung und außer mir noch eine gesetzliche Betreuerin. Manuela kam, sah und siegte. Inzwischen sind wir seit über zwei Jahren eine Gemeinschaft. Von Michaela konnte ich unheimlich viel lernen. Sie ist ein sehr lieber Mensch, nie aufgeregt, immer ganz ruhig, sehr zufrieden und sie weiß sehr viel und kann sich alles gut merken – der Ruhepol bei uns im Haus. Wir verstehen uns super und verbringen viel Zeit zusammen. Sie kann mit Geduld und Ausdauer stricken, wie es besser keiner kann. Im Internet sucht sie für uns Dinge raus, für die ich zu wenig Zeit habe. Bin ich unterwegs, passt Michaela auf meinen Jüngsten auf. Für mich ist das Leben mit ihr sehr angenehm.“ Und wie geht es Michaela Schmidhofer? Mit ihren 43 Jahren ist sie keine Ersatzoma, aber begeistert von der ganzen Familie und dem großen Freundeskreis. Für sie ist das eine neue, ganz andere Erfahrung als das, was sie bisher erlebt hat. „Früher hat nicht alles gepasst, auch die WG war für mich keine Alternative. Vor Verzweiflung bin ich mal in ein Obdachlosenheim gezogen.

Ich brauche einen geregelten Tagesablauf
Dann kam der Glücksfall und ich kam zu Barbara. Zuerst kam das Probewohnen und ich hatte nach früheren missglückten Versuchen Sorge, dass es vielleicht wieder nicht klappt. Aber alles passte. Ich bin gern hier, habe ein eigenes Zimmer mit Bad. Beides und meine Wäsche halte ich selber in Ordnung. Ich kann und weiß viel, aber leider gelingt es mir nicht, für mich einen Tag zu strukturieren. Ich schaffe es nicht. Barbara gibt mir Anleitungen, was ich putzen oder aufräumen müsste, und ich erledige die Aufgaben. Sie schaut sich dann an, ob es in Ordnung ist. Das ist für mich völlig okay. Ich bin froh, dass sich jemand um mich kümmert. Tagsüber gehe ich nach Donaueschingen zur Arbeit in die Werkstätten der BruderhausDiakonie. Einen Fahrdienst brauche ich dazu nicht, ich nehme den Bus. Ich koche selten, aber sehr gern Geschnetzeltes, und richte den Reissalat fürs Grillen. Barbara, die Kinder und ich machen auch Spiele miteinander. Arbeitskollegen wollen oft eine Buchempfehlung von mir oder ich soll ihnen was im Internet raussuchen. Ich male gern nach Zahlen, mache SUDOKU und lese leidenschaftlich gern Bücher, besonders Thriller und historische Bücher. Mein Lieblingsautor ist Stephen King. Alle 14 Tage fahre ich nach Singen und besuche einen Freund, der nicht gern unter Menschen geht. Ich gehöre ja auch zu denen, die von den Netzwerkern betreut werden. Dort wird einiges geboten, auch jedes Jahr eine viertägige Urlaubsfahrt. Einmal im Monat treffen wir uns zum Teilhabekreis im Generationenhaus in Bad Dürrheim. In Rottweil war ich beim Netzwerker-Treff im Selbstbehauptungskurs. Das war super und eine tolle Übung, um das Selbstbewusstsein zu stärken.

WEITERE INFORMATIONEN
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78658 Zimmern-Stetten
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