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Der Tod – Erwartet und doch so plötzlich

Zuletzt müssen wir auch noch Sterben lernen

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Der Psychologe, Psychotherapeut und Autor vieler Bücher, Dr. Knud Eike Buchmann, versucht in Beiträgen und öffentlichen Vorträgen seit vielen Jahren, dem Tod Bedrohliches zu nehmen und das Thema Trauer in den Alltag einzubeziehen. Gedanken an den eigenen Tod oder an den Tod eines nahestehenden Menschen kann durch Verdrängen für Momente erträglicher werden. Wohl wissend, dass ein Aufschieben keine Lösung ist, birgt das Thema viel Unsicherheit.

„Jeden Tag so leben, als wäre es der letzte“ – sollte ich mir immer vor Augen halten, dass das eigene Leben begrenzt ist?
Ja, es ist hilfreich, sich die eigene Endlichkeit klarzumachen; damit gewinnt die Gegenwart an Bedeutung. Das ist ein Grund zur Freude. Auch die Überlegung, was mit der möglicherweise noch bleibenden Zeit getan werden soll, gibt dem Leben Sinn.

Wie kann man sich selbst auf den Abschied von nahen Angehörigen vorbereiten? Was sollte man für sich persönlich zulassen, was nicht?
Es wäre gut, sich in jeder Beziehung klarzumachen, dass wir einander nur auf Zeit zugehören. Natürlich ist es gerade dort schwierig loszulassen, wo wir besonders lieben. Der Abschied sollte für den Gehenden liebevoll begleitet werden – und man darf sich das auch für sich selbst wünschen. Gerade bei einem längeren Sterbeprozess ist es gut zu signalisieren, dass man selbst bereit ist „loszulassen“.

Wenn der Sterbende noch ansprechbar ist, wie sollte ich mit ihm/ihr über den nahen Abschied sprechen, welche seiner Signale berücksichtigen?
Sterben ist eine sehr persönliche Sache, da gibt es kein Rezept. Allgemein: Mit viel Taktgefühl, das heißt der Sterbende übernimmt „das Kommando“ über die Themen und er bestimmt die Zeit! Man wird eventuell sehr behutsam Fragen stellen und seine Gesprächsbereitschaft signalisieren. Dasein und liebevolle Nähe zeigen – aber eben nur so viel, wie der Sterbende vertragen kann.

Welche Rolle spielen Trauerrituale? Sind Trauerrituale für mich oder meine Angehörigen wichtig? Muss ich erfüllen, was Außenstehende vermeintlich von mir erwarten?
Abschieds- und Trauerrituale sind wichtig – für alle. Wenn man der Person gerecht werden möchte, darf man „statt der üblichen Zeremonien“ auch einen eigenen Stil pflegen. Vielleicht kann man vorher auch bereits etwas gemeinsam überlegen? Die Erwartungen anderer sind zweitrangig. Mit Mut und Takt kann man aus der Trauerfeier wirklich eine kreative „Feier“ machen, die von Würde und Respekt gekennzeichnet ist.

Können andere Trost geben? Wenn das nicht in meinem Sinne ist, wie gehe ich damit um?
Neben Dank ehrlich, aufrichtig und taktvoll den Kondolierenden sagen, was man sich vielleicht wünscht und was nicht. Neben dem Dank ist wichtig, sich selbst zu schützen – und andere zu bitten, dies zu respektieren. Wir benötigen Trost – und wir sollten nicht die oft unbeholfenen Tröstungen auf die Goldwaage legen. In den allermeisten Fällen sind sie gut gemeint.

Kann oder muss ich in meiner Trauer an später denken? Auch daran, dass ich eventuell Menschen verstoße, die mir später wieder wichtig sein werden?
Wir können nicht alles perfekt vorbereiten; und unsere Beziehungen zu anderen Menschen sind nicht immer nur „rosarot“. Es wäre gut, rechtzeitig – am besten jetzt! – seinen Frieden mit Menschen seiner Umgebung zu schließen. Im Angesicht der Trauer verändern wir uns aber – und auch andere Menschen spüren meist, was uns in der Trauer gut tut.

Wie sollte ich auf Trauernde zugehen, welche Signale unbedingt berücksichtigen – evtentuell auch wenn sie meinem Bedürfnis widersprechen?
Nicht ausweichen – auf sie zugehen, still die Hand geben, ein paar Worte des Bedauerns sagen – und dann rechtzeitig schweigen! Keine „billigen“ Tröstungen aussprechen, keine „platten“ Versprechungen machen. Aber nach dem Versterben des Angehörigen, sich kümmern. Dabei sind kleine Gesten oft besser als große.

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Dr. Knud Eike Buchmann
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