Magazin | MutMacher
Wolfgang Klaus Müller (74)

„Zuerst habe ich gedacht, die wollen mich abschieben“

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Ein geselliger Hamburger wartet am Morgen im Hospiz Via Luce auf die anderen Bewohner. Wolfgang Klaus Müller freut sich aufs Snacken beim gemütlichen Frühstück: „Vor zehn Jahren ist meine Frau gestorben. Zu Hause in Hamburg habe ich alles allein bewerkstelligt. Das war nicht einfach. Voriges Jahr bekam ich die Diagnose Krebs. Meine Tochter machte mir den Vorschlag, zu ihnen nach Schwenningen zu ziehen. Das war eine Umstellung, an das Essen war ich nicht gewöhnt. Zwei Chemos habe ich leider nicht vertragen, eine dritte habe ich abgelehnt. Meine Tochter hatte ein Krankenbett organisiert, doch dann kam der Tag, an dem ich schwer gestürzt bin. Mit Oberschenkelhalsbruch und gebrochener Schulter musste ich ins Klinikum. Nach der Reha hatte mich meine Tochter im Hospiz Via Luce angemeldet und ich habe gedacht: Ach Gott, die wollen mich abschieben. Zum Glück ist es nicht so. Vor zwei Wochen kam ich hierher und mein erstes Wort war: toll. Hier kann ich tun und lassen, was ich will, essen und trinken, was ich möchte. Alle gehen auf mich ein. Das Sterbehotel – wie ich es nenne – ist super. Ich bin jetzt das blühende Leben im Vergleich zu manch anderen hier. Mich trieb schon die Angst um, dass sie mich hier wieder rausschmeißen. Die Schwester hat mir aber versprochen, dass ich hier bis zum Schluss bleiben kann. Das ist sehr beruhigend. Ich habe nach vielen Krankenstationen endlich das gefunden, wo ich mich zu Hause fühle. Drei Bilder möchte ich noch aufhängen, die mein Schwiegersohn vom Hamburger Hafen fotografiert hat. Laufen kann ich leider nicht mehr. Die Abhängigkeit bei jedem Handgriff habe ich früher gehasst, aber jetzt geht es eben nicht anders. Hier wird man von allen Seiten betüddelt und ich bin wunschlos glücklich. Leider habe ich beim Mittag- und Abendessen Schwierigkeiten, das Essen drin zu behalten. Deshalb esse ich lieber in meinem Zimmer. Vorgestern gabs Kaiserschmarren mit Zucker und Apfelmus. Die gute Küchenfee hat noch Schokolade für mich aufgelöst und drübergegossen. Alles blieb schön drin, vielleicht habe ich jetzt Glück.“

"Die gute Küchenfee hat noch Schokolade für mich aufgelöst und drübergegossen."

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