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Gute Besserung – ein Ziel für alle nach einer Operation

Was haben Bewegen und Gehirntraining damit zu tun?

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Die Abteilung Physiotherapie verfügt über einen gut ausgestatteten Geräteraum, in dem Patienten unter Anleitung verschiedene Muskelgruppen und Bewegungsabläufe trainieren können.

So ergeht es wohl vielen: Nach der Operation etwas müde und schlapp, aber glücklich, alles gut überstanden zu haben. Häufig ist der Wunsch zu hören: Erst mal gründlich ausruhen. Doch genau das ist nach neuesten medizinischen Leitlinien nicht das Ziel. Darüber sprachen wir mit Claudia Zetzsche-Brunkel, der Leiterin der Abteilung Physiotherapie und Rehabilitation im Schwarzwald-Baar Klinikum. Heute heißt die Maxime, so schnell wie möglich raus aus dem Bett. Früher war ausruhen, heute ist Training. Warum die Eile?

Es stimmt, manchmal fragen uns Patienten, ob wir sie schnell loswerden wollen. Das Gegenteil ist der Fall. Die Patienten selbst möchten so schnell wie möglich in ihr altes Leben zurück, mobil und selbstständig sein. Dafür gilt: Je schneller man aufsteht, umso weniger muss man Komplikationen fürchten. Nehmen wir als Beispiel eine Schenkelhalsfraktur. Nach der OP sind Patienten so gut versorgt, dass sie sofort auf den »Ersatzteilen« stehen können. Je intensiver Therapeuten die Patienten in der Zeit begleiten, umso besser. Wer mal ein paar Tage hintereinander das Bett hüten musste, der weiß, dass es einen mühsamen Anlauf braucht, um fit zu werden. Die behandelnden Ärzte fordern uns gezielt an und informieren die Therapeuten über den Verlauf der OP. Denn lange Liegezeiten tun nicht gut. Frühzeitig mobil zu werden heißt auch, selbstständig zu sein. Das gemeinsame Ziel ist die Rückkehr nach Hause oder die Vorbereitung für die Reha.

Jüngere sind sicher schneller fit. Gibt es Alternativen für ältere Patienten?
Ältere kommen inzwischen bei geeigneter körperlicher Verfassung in die GFK (Anmerkung: geriatrische Frühkomplexbehandlung). Das bedeutet, Menschen ab 70 Jahren bleiben mit verschiedenen Modalitäten zirka zwei Wochen im Klinikum. Für sie gibt es ein Programm, unter anderem mit täglicher Physio- und Ergotherapie und intensiver Betreuung. Individuelle Vorgaben beinhalten, wie viele Einheiten täglich stattfinden müssen, damit diese Patienten besser und schneller genesen. Zur GFK gehören Erkrankungen, die altersspezifisch und nicht krankheitsspezifisch sind.

Aus welchen Fachbereichen werden am häufigsten Therapeuten angefordert?
Das ist vielfältig, beispielsweise für Patienten in der Schlaganfallklinik (Stroke Unit), der Neurologie, in der Unfallchirurgie und Orthopädie, in der inneren Medizin oder auch in der Handchirurgie und in der Schmerzklinik. Physiotherapeuten und Ergotherapeuten arbeiten im Idealfall Hand in Hand. Beispiel Schlaganfall: Die Ergotherapeuten trainieren bei einer Halbseitenlähmung des Patienten die betroffene obere Extremität. Dies erfolgt unter anderem über die Spiegeltherapie. Der Spiegel steht längs zwischen beiden Händen oder Armen. Die nicht betroffene Hand bewegt sich. Schaut man in den Spiegel, täuscht dieser vor, dass die gelähmte Hand auch funktioniert. Der Therapeut macht die Bewegungen mit. Es ist nicht nur der visuelle Reiz, sondern tatsächlich auch der Bewegungsreiz. Auch das kognitive Training spielt in der Ergotherapie eine vordergründige Rolle. Die Arbeit der Physiotherapeuten konzentriert sich weitgehend auf die Mobilität, also auf Bewegungsübergänge. Das sind beispielsweise Übungen vom Liegen zum Sitzen zu kommen oder die Wiedererlangung des Gehens und des Gleichgewichts.

 

Nach einem schweren Schlaganfall: Gemeinsam mit zwei Physiotherapeutinnen lernt diese Schlaganfallpatientin Schritt für Schritt das Treppensteigen wieder ganz neu.

Nach einem schweren Schlaganfall: Gemeinsam mit zwei Physiotherapeutinnen lernt diese Schlaganfallpatientin Schritt für Schritt das Treppensteigen wieder ganz neu.


Oft wird das Gehirn erwähnt. Welche Rolle spielt das beim Training?
Es nimmt eine große Rolle für die Mobilität ein. Dazu ein paar überzeugende einfache Übungen, die jeder daheim versuchen kann: Man verschränke mal die Arme. Natürlich ist das leicht. Aber danach verschränkt man ganz bewusst die Arme andersherum. Das fühlt sich anders an und ist ein guter Reiz fürs Gehirn. Die nächste Übung: Morgens beim Zähneputzen versucht man, auf einem Bein zu stehen und am nächsten Tag auf dem anderen, immer abwechselnd. Wer Rechtshänder ist, sollte sich abwechselnd mit der linken Hand die Haare kämmen oder Brote schmieren. Oder man zieht Jacke oder Hose nicht mehr nur in der gewohnten Reihenfolge der Arme und Beine an, sondern beginnt mit dem anderen Arm oder Bein. Das gleiche gilt fürs Treppensteigen. Einfach bewusst vor der ersten Stufe stehen und nicht automatisch mit dem immer benutzten Fuß zuerst hochsteigen. Regelmäßiges Trainieren hilft und das Gehirn lernt mit. Natürlich geht das anfangs weniger gut, wird aber mit wiederholtem Training besser. Mit Aktivität tut man sich viel Gutes. Denn: Je älter wir werden, umso stärker wird unsere Schokoladenseite, mit der wir am liebsten agieren. Und wenn genau die durch Unfall oder Krankheit ausfällt, wird es ohne vorheriges Training schwierig. Die einfachen Übungen werden nach gewisser Zeit zu selbstverständlichen Rituale. Der »Zauberspruch« heißt: Etwas ganz bewusst tun. Man benutzt ab und zu die linke Hand für etwas, was ansonsten automatisch nur die rechte Hand übernimmt. Jedes Lernen, egal welches, lebt von der Wiederholung. Das war schon in der Schule so. Übrigens ist auch die Atmung ein wichtiger Bereich in unserer Arbeit.

Was hat Atmung mit Mobilität zu tun? Machen wir das nicht automatisch?
Atmung ist Leben und auch eine aktive Übung für zu Hause, ob krank oder nicht. Viele unserer Patienten brauchen Atemtherapie, bekommen das aber oft nicht sofort hin. Wir beginnen mit einer einfachen Aufgabe: Über die Nase einatmen und über den Mund wieder ausatmen. Wichtig ist, sich die Atmung bewusst zu machen und beispielsweise in eine Körperregion hinein einatmen, also in die rechte oder linke Flanke des Körpers, damit die Lungenseiten besser belüftet werden. Das ist Kopfsache: Man macht sich bewusst, was man sonst unbewusst getan hat. Atemtherapie ist ein wichtiger Faktor nach einer OP und bei längerer Bettlägerigkeit. Patienten müssen bei uns lernen, bewusst zu atmen und gegebenenfalls Sekret abzuhusten. Atmung kann Patienten auch beruhigen, beispielsweise bei Angst.

Gibt es Erkrankungen die nicht therapierbar sind? Was steht da im Fokus?
Das ist eine Frage der Sicht auf dieses Thema. Therapierbar ist vieles. Aber nicht alles hat eine Verbesserung zum Ziel. Dann geht es darum, das Erreichte zu erhalten oder zu kompensieren. Letztendlich dreht sich alles um eine bestmögliche Lebensqualität, die wir diesen Patienten zum aktuellen Zeitpunkt mitgeben können. Das heißt, unsere Therapie kann unterschiedliche Ansätze haben, die immer abgestimmt sind auf die Erwartung und körperliche Verfassung unserer Patienten. Für uns Therapeuten steht an erster Stelle, was die Ärzte verordnen und was dabei im Vordergrund stehen muss.

Claudia Zetzsche-Brunkel
Schwarzwald-Baar Klinikum
Abteilung Physiotherapie und Rehabilitation
78052 Villingen-Schwenningen
Telefon: (07721) 93-3801
www.sbk-vs.de

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Claudia Zetzsche-Brunkel Leiterin der Abteilung Physiotherapie und Rehabilitation: »Bewegung schadet nie. Jegliches Tun bringt etwas, ob schnelles Gehen oder regelmäßige Spaziergänge. Das Maß allen Tuns ist, Aktivitäten mit ›zu‹ zu vermeiden: zu wenig, zu lange, zu weit, zu hoch … zu viel ist halt zu viel.«