»Unser Motto: Alles fröhlich, alles lustig«
Für beide sind Zufriedenheit und Lebenssinn ein wichtiger Anker. Hobby-Handwerker Manfred hat immer einen flotten Spruch auf den Lippen und Margrit schafft die Wohlfühl-Oase. Klagen über gesundheitliche Probleme bekommen keine Chance. Gemeinsam tragen sie ihre Sorgenrucksäcke hinter ihrem Schutzschild.
Vor ein paar Jahren wollte sich die Familie nur informieren, wo es in Villingen für ihre Zukunft im Alter eine geeignete Wohnung gibt. Auf ihrer Wunschliste stand: Eine ebenerdige Wohnung mit Terrasse und Blick ins Grüne. Äußerst wichtig war dem Hobby-Handwerker ein Keller für seine Werkstatt. Manches fiel durch, doch dann kam plötzlich das: Ihre Idealvorstellung gab es, und obendrein war die Wohnung zufällig frei. Sie handelten wie so oft im Leben. Sofort zugreifen, als sich später ärgern. Das Stichwort Ärger gehört ohnehin nicht in ihren Alltag. Ihr Spruch: Fröhlichkeit hilft im Leben. Klingt beneidenswert, bringt Kontakte und tut anderen auch gut. Trotzdem tragen beide ihren eigenen Rucksack mit gesundheitlichen Problemen, die alles andere als einfach sind. Dafür haben sie ein imaginäres Schutzschild gefunden. Manfred erzählt über ihre Art, damit umzugehen: »Immer fröhlich, immer lustig. Das ist unser Motto und hilft uns selbst. Natürlich nehmen wir Warnungen der Ärzte ernst, passen unsere Lebensweise an. Wir sagen uns aber, was geht es andere an, warum sollen wir sie belasten, weil es uns schlecht geht. Wir möchten nicht bedauert werden. Das hilft niemanden. In ein Loch fallen und drin bleiben ist nicht unser Ding. Aus jedem Tiefschlag lässt sich ein Weg finden. Selbstverständlich schauen wir auch der Situation ins Auge und überlegen, welche Ziele realistisch sind. Ein Beispiel: Wir wollten uns ein Häuschen in Villingen kaufen. Dann kam der erste Tiefschlag und wir haben entschieden, den Kauf nicht zu riskieren. Wir konnten beide unsere Wunschvorstellung ohne Groll verabschieden. Im gemeinsamen Leben gehören Abstriche dazu, egal wobei. Dennoch kann man sich wohlfühlen. Wir ticken beide zum Glück gleich. Trotzdem hat jeder sein eigenes Ich. Das muss sein. Unsere Wohnung ist ideal. Natürlich wäre ein drittes Zimmer als Rückzugsort toll. Aber alles andere ringsum stimmt einfach: Auf der Terrasse haben wir eine kleine feine Oase im Grünen mit einer kuschligen Ecke geschaffen, umhüllt von vielen Pflanzen. Dort kann man herrlich lesen und anschließend ein Schläfchen machen. Im Keller ist meine Werkstatt. Ich arbeite gern mit Holz und habe mir das Schreinern selbst beigebracht, mein Vater hat dazu die Grundlage gebildet. Wir haben keine Lust, den ganzen Tag vor dem Fernseher zu sitzen. Jeder von uns hat einen anderen Geschmack und andere Hobbys. Ich liebe meine Werkstatt und meine Frau liest viel und beschäftigt sich mit Rätseln. Solche Sendungen guckt sie gern an und teilt nicht mein Interesse für Krimis. Also haben wir zwei Fernseher und jeder schaut an, was ihm gefällt. Der Umzug war auch für uns nicht einfach. Wir mussten uns von Möbeln trennen, die sehr gut erhalten waren. Heute fragen wir uns, wozu wir die gebraucht hätten. Wir haben uns arrangiert und jeder kann seine Vorlieben leben.«
Die Aussprache verrät sie als Nordlichter. Sie haben in Helmstedt geheiratet und gewohnt. Beide arbeiteten in der Kammgarnspinnerei. Nach ein paar Jahren erhielt Manfred ein verlockendes Angebot aus dem Schwarzwald. Seine Bedingung war, sich das erst mal vier Wochen anzuschauen. Nach nur zwei Tagen fiel seine Entscheidung zugunsten der Kammgarnspinnerei in Villingen. Sie zogen um und haben es auch nach fünf Jahrzehnten nicht bereut. Nach Jahren erkannte sein Chef, dass die Firma in Deutschland wenig Zukunft hatte. Manfred Meier erinnert sich: »Alles wurde nach Afrika verlegt und mein Vorgesetzter und ich sollten dort arbeiten. Mich hat das gereizt und ich war drauf und dran den Laden mit aufzubauen. Unsere Frauen hätten mitkommen können. Doch beide lehnten strikt ab. Also haben wir hier neue Arbeitsplätze gefunden.

Das Insektenhotel in der Wohnanlage der Hammerhalde – made by Manfred Meier.
»Im Ruhestand hat sich unser Lebensrhythmus geändert
Heute im Alter denken wir auch an unsere Gesundheit. Warum sollen wir uns unter Druck setzen? Stress bringt nichts. Wir tun vieles spontan. Wenn ich Lust habe, gehe ich in meine Werkstatt, mal länger und mal nur kurze Zeit. Das interessiert ja keinen. Meine Frau hat zwei grüne Daumen und kümmert sich um unsere kleine grüne Oase. Ich pflege die Kakteen oder suche in der Wildnis Ableger, die ich zu Bonsai-Bäumen schneide. Wir haben hier in unserer Anlage sehr nette Leute. Und ich bin froh, dass jetzt auch noch ein paar Männer zugezogen sind.«
Die beiden sprechen von ihren Ritualen, die aber selten im Terminkalender stehen. »Gemeinsam gehen wir mindestens einmal in der Woche in die Stadt, auch wenn es nur zum Cappuccino und einer Brezel ist. Zwanghafte Termine meiden wir mit ein paar kleinen Ausnahmen. Zum Beispiel wenn wir mit unseren Freunden ›Mensch-ärgere-Dich-nicht‹ spielen. Sehr wichtig ist uns der regelmäßige Sonntagsbesuch von Sohn und Schwiegertochter für ein bis zwei Stunden. Das ist einfach schön. Unsere Tochter wohnt mit Familie weiter weg. Mit unserem Enkel telefonieren wir jede Woche. Er arbeitet in Frankfurt und wenn er sportlich seine Laufrunde dreht, ruft er an und wir schwätzen, oft eine Stunde. Und es gibt einen wichtigen Termin, der nach 50 Jahren fest im Kopf ist. Das ist der 1. Januar. Das Neujahrskonzert schauen wir gemeinsam an. Das gehört unbedingt zu uns, weil wir klassische Musik lieben, egal ob am Fernseher oder im Franziskaner. Für 2026 haben wir ein Wunschziel: Wir wollen nochmal an die Nordsee. Vielleicht klappt auch Hamburg. Das ist für uns die schönste Stadt Deutschlands. Unser ganzes Leben lang haben wir nur im Norden Urlaub gemacht. Alles andere lockt uns nicht.«
»Stress bringt nichts. Wir tun vieles spontan.