Magazin | MutMacher
Adelheid Hartung (77)

»Seit ich 38 bin, gehe ich den Weg, den ich gehen muss«

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»Ich kann mich gut allein beschäftigen und langweile mich nie. Am Abend entscheide ich mich zwischen meinen beiden Leidenschaften: Handarbeiten oder Lesen. Für Große und Kleine stricke ich sehr, sehr gern. Wenn ich lesen möchte, sind es meistens Bücher von Heinz Konsalik.

Sie gehört in Dauchingen zu denen, auf die Verlass ist, wenn Helfer gebraucht werden. Wie schnell aber die vermeintlich sichere Lebensplanung einer jungen Familie aus den Fugen geraten kann, musste sie in ihrer eigenen Familie erleben. Und dennoch sagt Adelheid Hartung heute: »Ich bin mit meinem Leben nicht unzufrieden, es ist nur anders gekommen.«

»Als Familie mit zwei Kindern haben wir uns einen Wunsch erfüllt und ein altes Haus gekauft. Kurze Zeit darauf erhielt mein Mann eine Krebsdiagnose und starb zwei Jahre später. Am Tag der Beerdigung war mein 38. Geburtstag. Das Haus musste ich verkaufen. Ich gehe heute weder allein ins Restaurant noch sonntags spazieren, denn mir begegnen nur Familien mit Kindern. Das ist eben mein Weg, den ich gehen muss. Bei Kienzle habe ich 40 Jahre Vollzeit geschafft. Meine Mutter versorgte die Kinder nach der Schule. Damals nannte man mich Wochenendmama. Später habe ich meine Mutter gepflegt. Gemeinsam mit der Familie meiner Tochter kauften wir vor 20 Jahren in Dauchingen ein Haus. Jeden Morgen lief ich mit meinen beiden Enkeln zum Kindergarten. Dadurch lernte ich einige Leute kennen. Mir waren Kontakte im noch fremden Dauchingen wichtig. Zufällig hörte ich von der Gründung eines Landfrauenvereins und wollte mir das mal ansehen. Viele saßen um einen großen Tisch, aber keine machte mir damals Platz. Also saß ich allein in einer Ecke. In dem Moment beschloss ich, nie mehr hinzugehen. Plötzlich setzte sich eine Frau aus der großen Runde zu mir. Auf der Straße sprachen mich einige an, dass ich doch mitmachen solle. Bereut habe ich das nicht. Eine richtig gute Sache ist die Pflege des Kreisels am Supermarkt. Dafür bekamen wir schon viel Lob. Für mich wird es richtig schön, wenn das gemeinsame Nachher beginnt. Bei gutem Wetter setzen wir uns nach getaner Arbeit auf ein Bänkle, trinken Sekt und essen selbst gebackene Käsefüßle. Manchmal geht das bis Mitternacht. Inzwischen habe ich mich auch dem Bürgerverein angeschlossen. Sein Motto: Den Menschen helfen, damit sie den Alltag zu Hause bewältigen. Heute denke ich, helfen ja, aber nicht um jeden Preis. Manche fassten unser Angebot anders auf. Ich landete beispielsweise bei sehr mobilen Familien, für die ich einmal wöchentlich die billige Putze war. Auf die Art organisierten sie sichtbar ihre Freizeit. Da habe ich einen Schlussstrich gezogen. Für den Bürgerverein bin ich oft unterwegs, sodass ich zur Zeit außer freitags die ganze Woche nicht ausschlafen kann. Morgen gehe ich zu einer 93-Jährigen. Wir sind zu zweit und teilen uns die Hilfe für sie. Ich komme gut zu Fuß zu der alten Dame. Ihre Tochter ist sehr dankbar, dass sie mal in den Urlaub fahren kann und hat uns eine sehr, sehr nette Karte geschrieben. Solche Hilfe ist wichtig.

»Mit zahlreichen Bekannten verbringe ich schöne Stunden

Viele bei uns arbeiten ehrenamtlich. Neulich war am Samstag ein Fest, das von den Landfrauen betreut wurde, damit es den Besuchern kulinarisch gut geht. Natürlich kam die Frage, ob ich mitmache, wenn Not sei. Ich hatte an dem Tag was geplant, sagte aber für den Ernstfall zu. Meine Tochter ahnte zielsicher, dass ich meinen Plan knicken kann. So kam es auch. Manchmal denke ich darüber nach, ob ich mit meinen 77 Jahren mal Nein sagen sollte. Jeden Mittwoch spiele ich in einer tollen gemeinsamen Dreierrunde sechs Stunden Binokel. Das findet abwechselnd bei uns zu Hause statt. Und auf die Fasnacht freue ich mich jedes Jahr. Wir Frauen haben eine kleine Clowngruppe gegründet. Jedes Jahr laufen wir im Deißlinger Umzug mit. Traditionell lädt uns vorher ein Bekannter zum leckeren Sektfrühstück ein. Das ist immer eine schöne Zeit. Mittlerweile bin ich mit Blick auf mein Alter in eine seniorengerechte Zweizimmerwohnung mit Bad, Balkon und Abstellraum gezogen. Unser betreutes Wohnen im Löwen liegt idealerweise zentral. Vom Bürgerverein haben wir Zupfharfen bekommen, mit denen wir jede Woche im großen Gemeinschaftsraum üben und ab und zu für unsere Bewohner auch ein Konzert spielen. Sogar in einem Villinger Altenheim sind wir schon aufgetreten.«

»Ich bin mit meinem Leben nicht unzufrieden, es ist nur anders gekommen.«

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»Bei mir hat das Thema Fasnacht angefangen, als mein Mann nicht mehr lebte. Ich zog seinen Anzug an, auf dem ich bunte Flicken aufgenäht hatte. Damit bin ich am Anfang mit den Südstadtclowns mitgelaufen, danach war ich bei den Glonkis und jetzt bin ich optisch ein echter Clown.