Magazin | MutMacher
Anneliese Dräger (84)

Mit viel Willen ins Leben zurückgekämpft

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„Früher habe ich Bären gesammelt, ein paar sind mit mir ins Heilig-Geist-Spital umgezogen. Ich bin selbst Altenpflegerin und hatte strenge Lehrjahre in einem Kloster in meiner Heimat Offenburg. Dadurch kann ich gut mit alten Menschen umgehen und biete im Heim einmal in der Woche gemeinsames Häkeln an. Das ist meine neue Leidenschaft. Inzwischen sind wir eine große Gruppe und für mich ist schön, mit welcher Freude auch Demenzkranke und eine über Hundertjährige mitmachen. Der Weg ins Heim war für mich nicht leicht. Eine Krankheit folgte auf die andere, und niemand glaubte mehr daran, dass ich mich wieder erhole. Teilweise fehlen auch mir Erinnerungen an diese Zeit, in der ich manchmal die eigenen Kinder und Enkel nicht erkannte. Über ein Jahr lag ich im Bett oder wurde in den Rollstuhl gesetzt. Bis ein Pfleger kam und mich auf seine Füße stellte. Er selbst lief rückwärts, aber ich lief Schritt für Schritt mit ihm vorwärts. An Heiligabend vor einem Jahr habe ich meiner Familie gesagt, dass ich im Januar wieder laufen werde. Die hielten mich für verrückt. Eines Tages habe ich vom Bett aus den Rollstuhl angesehen und gesagt: So Freund, wir zwei laufen jetzt. Ich habe mich auf das Bett gesetzt. Erst mal drehte sich alles. Ich habe gewartet, mich dann gezwungen aufzustehen, am Rollstuhl festgehalten und blieb stehen. Schön langsam bin ich dann vier Schritte vor und wieder zurück, habe mich hingesetzt und vor Freude geheult. Ich habe viel geübt, und heute kann ich mit meinem Rollator laufen. Jetzt bin ich richtig gut drauf und sehr, sehr zufrieden. Mit meiner Enkelin plane ich eine Reise nach Ungarn, wo mein Mann und ich 30 Jahre lang in ein Thermalbad gefahren sind und ich dort noch sehr gute Freunde aus der Zeit habe.“

Für Anneliese Dräger hat ein Pfleger Unmögliches möglich gemacht.

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