Magazin | Einblicke
Strukturen für die kleinen Schritte zurück ins Leben

Menschen eine sinnvolle Tätigkeit geben

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Charlie Jandl (59): Charlie hat Mechatroniker gelernt und früher Lkws repariert. Er arbeitet selbstständig und ist verantwortlich für die Säge: „Heute säge ich Figuren für die Geschenke für unser Personal.“

Vorbei am Empfang der CURANUM Seniorenresidenz Hirschhalde in Bad Dürrheim führt der Weg entlang an bunt bemalten Kellerwänden direkt in die Holzwerkstatt. Hier treffen sich von Montag bis Freitag Bewohner aus dem psychiatrisch-neurologischen Wohnbereich und sägen, schmirgeln, kleben und bemalen ihre Holzarbeiten. Sie alle zusammen haben einschneidende Lebensbrüche erlebt, sind Unfallopfer, Opfer ihres Drogenkonsums oder Betroffene mit neurologischen Erkrankungen. Hier in der vollstationären Pflege lernen sie ihr Leben ein Stück weit wieder in den Griff zu bekommen.

Ergotherapeutin Elke Welte und Haustechniker Toni Cardillo sind die Chefs der Holzwerkstatt in der Bad Dürrheimer CURANUM Seniorenresidenz Hirschhalde. Bis ins Detail kennen sie und Einrichtungsleiterin Stefanie Reichelt die Lebensläufe und Psyche der in der Werkstatt arbeitenden Männer verschiedener Altersklassen. „Es sind Bewohner mit einer Eigengefährdung. Für einige hat die Suchterkrankung einen Teil ihres Lebens bestimmt. Bei uns lernen sie, Strukturen wieder zu akzeptieren.“
Die Männer richten sich, frühstücken und kommen sozusagen pünktlich um 9 Uhr in die Werkstatt zur Arbeit. Das kann schon sehr viel sein. Mit sinnvollen Aufgaben bekommen sie Eigenverantwortung und das Gefühl von Selbstständigkeit. Wertschätzung ist eine wichtige Erfahrung. Sie erleben, wie begehrt ihre Holzarbeiten sind, wie sich Mitarbeiter über Geschenke aus Holz freuen, die Besucher auf dem Weihnachtsmarkt begeistert kaufen und inzwischen schon gezielte Aufträge von Firmen und Privatpersonen kommen. Über einen Stufenplan kann sich jeder einen mehrstündigen oder freien Ausgang erarbeiten. Als Anerkennung gehen die Betreuer alle zwei Monate mit ihnen zum Essen. Wer in der Holzwerkstatt arbeitet, wird vom Pflegepersonal „Kollege“ genannt. Gemeinsam sitzt man am Mittagstisch und duzt sich, wer möchte. Ziel ist, dass sie irgendwann in einem selbstständigen oder Betreuten Wohnen leben und vielleicht später in einer größeren Behindertenwerkstatt arbeiten können.Und wenn sie es schaffen, sich selbst Schritt für Schritt Strukturen zu setzen, dann ist das meiste geschafft.

 


                    	

WEITERE INFORMATIONEN

CURANUM
Seniorenresidenz Hirschhalde
Bad Dürrheim
Tel. 07726/66080
www.korian.de

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Haustechniker Toni Cardillo (links) mit Nicoley Gampp (23): Nicoley schmirgelt, bohrt und erzählt gern. „Heute fahren wir mit dem Chef zum Eisessen.“
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Rudolf Merker (63): Am liebsten gestaltet er liebevolle Holzbrandarbeiten mit dem Lötkolben.
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Victor Meister (59): Filigrane Fahrzeuge sind kleine Meister-Werke mit großer Detailgenauigkeit. Auf seinen Spaziergängen im Wald sucht er Naturmaterialien für die Krippendächer.
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Fidelis Lins (61) entgratet und putzt eine ausgesägte Hasenfigur. „Ich bin Metaller, aber Holzarbeit gefällt mir auch. Bemalen machen andere, ich mach das, was mir liegt.“
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Dietmar Villwock (54): „Ich hatte einen schweren Unfall, war der einzig Überlebende. Die anderen drei Kollegen waren tot. Meine Kopfverletzung war schlimm, ich war hinter dem Fahrersitz eingeklemmt. Jetzt baue ich schon Häuser für eine Krippe. Wir verkaufen zu Weihnachten sehr viele.“
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