Magazin | MutMacher
Ehepaar Anna (90) und Franz Höchster (93)

„Lieber tanzen gehen als einen Krankenschein holen“

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Anna und Franz Höchster haben vor allem ein Lebensmotto: Eine harmonische Ehe und viele Kontakte zu Verwandten und Freunden.

Zwei, die sich auch nach 70 Ehejahren brauchen, Nähe zueinander suchen und wie immer gemeinsam an einem Strang ziehen. Wenn sie abends ins Bett gehen, können beide erst einschlafen, wenn sie sich gegenseitig die Hände halten: „Wir waren im jugoslawischen Banat Nachbarskinder und hatten schon im Alter von 13 und 16 eine Leidenschaft: das Tanzen. Das schweißt zusammen und ist bis heute unser Sport. Dreimal im Monat gehen wir tanzen, nach Zimmern, Gosheim und besonders gern seit dem ersten Eröffnungstag vor sieben Jahren ins Tanzcafé im Mehrgenerationenhaus Kapuziner in Rottweil. Da spielt unser Ernstl auf. Manchmal kommen bis zu 120 Leute in den schönen Sonnensaal und stehen vorher Schlange, weil jeder mit seinen Freunden am selben Tisch sitzen möchte. Dort ist es wie in einer großen Familie, man kennt sich und einer freut sich auf den anderen. Am liebsten tanzen wir langsamen Walzer und Polka, die wurde in unserer Heimat viel getanzt. Tanzen gibt uns immer eine Auffrischung für mehrere Tage. Solange wir das können, sind wir nicht alt. Wenn meine Frau mal nicht gehen möchte, sage ich immer: Nix da, anziehen, auf geht’s. Danach ist sie glücklich, dass wir dabei waren. An diesen Tagen richten wir uns schön, und unser Tagesablauf ist schon ganz anders. Tanzen ist für uns gesund. Meine Frau ist herzkrank und wollte sich nicht operieren lassen. Ein junger Arzt in Schramberg gab uns den guten Rat, das Herz so gut es geht zu belasten, damit sich das Blut seinen Weg suchen kann.

Das Tanzcafé verwöhnt uns alle
Das Personal im Tanzcafé bedient uns perfekt mit Kaffee und Kuchen und ist so was von freundlich. Aber im Alter isst man weniger. Am liebsten mögen wir es scharf und süß. Früher wurde viel gebacken. Die Frauen standen in Konkurrenz zueinander und haben sich gegenseitig übertrumpft. Jetzt sorgen Tochter und Schwiegertochter für uns, fast zu viel. Früher haben die Kinder folgen müssen, heute müssen wir folgen. In unserer Ehe gab es auch Meinungsverschiedenheiten. Jeder darf sagen, was er denkt, muss aber auch einstecken können. Uns beide hat viel zusammengeschweißt. Nach der Flucht über Linz kamen wir 1950 nach Zimmern. Da begann unsere schönste Zeit. Mit nichts haben wir angefangen und uns ein wunderbares Leben aufgebaut. Am Anfang konnten wir bei Bauern arbeiten und hatten damit was zum Essen. Aus diesen Kontakten und in den Vereinen sind viele Freundschaften entstanden. Gemeinsam haben wir unser Haus gebaut und für den Urlaub einen Wohnwagen gekauft. Ravenna war fast unsere zweite Heimat. Später waren wir viele Jahre in einem Bad in Ungarn. Mit 84 bin ich die Strecke über 1000 Kilometer noch auf einen Rutsch gefahren. Das haben wir unseren Kinder erst hinterher erzählt. Letztes Jahr war unsere Abschiedsfahrt. Schade, aber es geht halt nicht mehr. In dem Jahr habe ich (Franz) auch geträumt, dass bei mir alle Organe doppelt vorhanden sind. Dann habe ich mir gedacht, jetzt fangen halt die zweiten an zu arbeiten. Ich weiß also gar nicht, wie es ist, alt zu sein.“

Die BruderhausDiakonie in Rottweil bietet im Mehrgenerationenhaus Kapuziner nicht nur einen Treffpunkt für zahlreiche Veranstaltungen, Vorträge und Kurse an, sondern auch ansprechende Räumlichkeiten für private Feiern. Vor allem Menschen mit Behinderungen bekommen hier einen sinnvollen Arbeitsplatz. Dazu gehören das Bistro und Café zum Kapuziner mit Frühstück, Mittagstisch und Kaffee und Kuchen, ein monatliches Tanzcafé im Sonnensaal und auch das mediaoffice mit Angeboten vom Entwurf bis zum Printprodukt. BruderhausDiakonie, 78628 Rottweil, Tel. 07402-92950, www.kapuziner-in-rottweil.de.

WEITERE INFORMATIONEN
BruderhausDiakonie
78628 Rottweil
Tel. 07402-92950
www.kapuziner-in-rottweil.de.

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