Magazin | MutMacher
Adele Jergla (70) und Josef Jergla (71)

»Geschafft und zufrieden sind wir Zuhause angekommen«

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Seit 50 Jahren sind Adele und Josef verheiratet, sind stolz auf die Familie und freuen sich, dass alle Kinder und Enkel gesund sind.

Für die quirlige Adele Jergla und ihren Mann Josef ist das Thema Familie die Nummer eins. Ihr Stolz sind drei Söhne mit ihren Frauen und den fünf Enkelkindern. Was vor einem Jahr noch ein Schock war, sehen sie heute als Glücksfall: »Wir sind dankbar für alles, was wir erreicht haben. Dazu gehört auch unsere neue Wohnung.«

»Unser Zuhause war in Schlesien. Deutsch konnten wir daheim mit den Eltern reden. Im öffentlichen Leben mussten wir Polnisch sprechen. Mit wenig Gepäck sind wir mit unseren drei Jungs 1989 nach Deutschland gekommen. Alles andere blieb zurück, auch unser selbst gebautes Haus. Josef hat in Polen 16 Jahre im Kohlebergbau gearbeitet. In Villingen wurde er als Metallschlosser eingestellt. Die körperlich schwere Arbeit spürt er heute. Ich bekam in Villingen eine Arbeit als Metzgereiverkäuferin und war das bis zu meinem 69. Geburtstag. Wir hatten eine gute Zeit und uns über die Entwicklung unserer Kinder und Enkel gefreut. Heute kümmern wir zwei Omas uns um die jüngsten Enkel. Mittagessen kochen, den Neunjährigen – das ist mein Kuschelbär – von der Schule abholen und zur Musikschule bringen. Sein 12-jähriger Bruder ist ein Schwimm-Genie. Ich nenne ihn deshalb Goldfisch, weil er viele Medaillen gewonnen hat. Unsere einzige Enkeltochter ist 17 und ihr Bruder 14. Der älteste ist 25 Jahre alt und hat sich für 12 Jahre bei der Bundeswehr verpflichtet. Alle sind uns gleich lieb. Das hat uns meine Mutter beigebracht. Wir waren sechs Kinder. Dazu kamen vier von der jung verstorbenen Schwester meiner Mutter. Ich hatte gute Eltern, meine Mama war 100 und mein Papa 110 Prozent. Dann kam die Frage, schaffen wir das mit zehn Kindern? Mama machte keinen Unterschied. Wenn sie drei Stücke Schokolade hatte, wurde die so aufgeteilt, dass sie zehn gleichgroße Stücke daraus machte. So läuft das auch heute mit unserer Familie. Wir beide sind sehr stolz auf unsere Kinder, sie erklären ihren Kindern, warum sie lernen müssen und sprechen viel über ihre Zukunft. Wenn mal ein Wunsch zu groß ist, lernen sie, wie viel Geld sie dafür sparen oder verdienen müssten. Unser Spruch heißt: Ohne Fleiß kein Fahrrad. Sie haben heute schon ein Gefühl dafür, was zu teuer ist und nicht geht. Das machen wir als Großeltern mit und sind mit unseren Kindern auf der gleichen Linie. Unsere Enkel kapieren, warum sie Hausaufgaben machen müssen, ihr Zimmer in Ordnung bringen und kleine Arbeiten im Haushalt machen sollen. An erster Stelle stehen die Schule und das Lernen und dann erst die Freizeit. Die Eltern leben das vor. Unsere drei Jungs mussten auch kochen, backen, putzen und Wäsche waschen lernen.

Die Familie ist das größte Glück im Hause Jergla.

Aufgrund seiner körperlichen Einschränkungen braucht Josef Unterstützung. Ich habe das Glück, fit und gesund zu sein. Meine Wege bewältige ich mit dem Fahrrad, aber ohne Akku. Ich fahre mit Muskelkraft. Nur ausziehen wollte ich nicht mehr. Wir wohnten 18 Jahre in einer schönen Vierzimmer-Wohnung vom Spitalfonds. Darin wollten wir alt werden. Dann bekam mein Mann mehrere Erkrankungen mit Operationen. Der Hausmeister hat sich für uns eingesetzt und schlug uns in der Seniorenanlage Hammerhalde eine ebenerdige Wohnung mit Terrasse und behindertengerechtem Bad vor, allerdings wesentlich kleiner. Für mich war das ein Schock. Wir mussten verstehen, dass es keine Alternative gab. Vor mir baute sich eine Mauer auf. Wie sollte ich den Umzug allein schaffen, passen die Möbel, was muss ich entsorgen? Unsere Familie hat mit angepackt und heute sind wir glücklich, haben nette Nachbarn, eine ruhige Parkanlage und alles ist ebenerdig. Diese Wohnung wurde vor unserem Einzug modernisiert und wir kauften passende Möbel. Auch die Küche ist ausreichend. Wir haben eine schöne Wohnung, fühlen uns wohl, haben was zum Schlafen, Essen und Trinken. Mein Josef ist krank, aber das ist kein Weltuntergang. Was wollen wir mehr?«

 

 

»Von meinem Mann werde ich liebevoll Reserve genannt