Magazin | Einblicke
Diagnose Krebs – und was dann?

Beratungsangebot für Betroffene und Angehörige

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Aus dem Team der Psychosozialen Krebsberatungsstelle stellen Brigitte Langlois (rechts im Bild), Susanne Scheiber (links im Bild) und Hans-Peter Olma das kostenlose Angebot vor.

Plötzlich Krebs – Patienten und Angehörige durchleben häufig einen Ausnahmezustand. Für die Landkreise Rottweil, Schwarzwald-Baar und Tuttlingen bieten Sozialberaterinnen, Psychoonkologinnen und ein Psychoonkologe kostenlose Beratungen an. Das Team kümmert sich um Sorgen und Nöte seiner Klienten in der Psychosozialen Krebsberatungsstelle. Drei von ihnen, Brigitte Langlois, Susanne Scheiber und Hans-Peter Olma, stellen das Angebot vor.

Gründung einer Krebsberatungsstelle
In den meisten Fällen löst die Diagnose zuerst Ängste vor dem Sterben aus, dann folgen Sorgen um Partner und Familie und letztendlich fehlt vielmals der freie Kopf für die Entscheidung einer individuell passenden Behandlung. Für die Schwerpunkte Sozialberatung und psychoonkologische Beratung stehen wir in dieser Akutphase schnell, unabhängig und unbürokratisch für kostenlose Hilfestellungen zur Verfügung. Damit schließen wir eine Versorgungslücke, denn Betroffene, die nicht stationär in entsprechende Therapieangebote eingebunden sind, mussten bisher weite Fahrten für geeignete Beratungen auf sich nehmen.

Kontakt zu uns
Ohne Überweisung vereinbaren Klienten mit unserer Mitarbeiterin telefonisch einen Termin. Dabei wird bereits abgeklärt, ob der Schwerpunkt der gewünschten Beratung mehr im psychoonkologischen oder im sozialen Bereich liegt. Wer beides benötigt, bekommt zwei Termine. Zielgerichtet wird eine unserer Fachkräfte ausgewählt. Es spielt keine Rolle, ob unsere Klienten nur einmal kommen oder weitere Termine wünschen. Auch der Ort des Wohnsitzes ist unerheblich.

Rat und Hilfe für Patienten und Angehörige
Grundsätzlich können sich nicht nur Tumorpatienten, sondern auch ihre Angehörigen melden, wenn sie selbst Beratungsbedarf haben. Häufig kommen Patienten mit Partner oder Partnerin. Aber auch die Kinder, seien sie nun erwachsen oder noch minderjährig, können mitgebracht werden. Allerdings sind wir für die Beratung von krebskranken Kindern und deren Eltern nicht zuständig. Für sie gibt es spezialisierte Zentren, zum Beispiel in Freiburg oder Tübingen.

Themenvielfalt in der Beratung
Die fundierte Beratung ist eine Art Lotsenfunktion durch alle Angebote und Möglichkeiten, um die vielfältigen Themen der Betroffenen sinnvoll zu gestalten. Ganz oben stehen oft existenzielle Nöte, wenn der Hauptverdiener krankheitsbedingt längere Zeit ausfällt oder Hilfe für den Familienalltag notwendig wird. Häufig werden individuelle Fragen gestellt, zum Beispiel nach der Möglichkeit, während der Chemo zu arbeiten, nach Fakten, die mit dem Arbeitgeber besprochen werden sollten, oder was Probezeit und befristeter Arbeitsvertrag bedeuten. Die Stärkung des Selbstbewusstseins und des Selbstwertgefühls ist ein wichtiger Aspekt. Unsere Sozialberaterinnen unterstützen auch beim Ausfüllen von Formularen, bauen Brücken zu Ansprechpartnern in den Ämtern oder übernehmen selbst Anrufe, wenn Betroffene keinen Kopf für solche Dinge mehr haben. Letztendlich geht es immer darum, für jeden einen individuell passenden Weg zu finden. Auch besteht großer Beratungsbedarf zum Thema Rehabilitation. Krebspatienten können enorm viel von einer Rehamaßnahme profitieren, besonders wenn es um die Stärkung von körperlichen und seelischen Kräften, aber auch um die Änderung des Lebensstils geht. Die dominierenden Themen in der psychoonkologischen Beratung sind häufig Ängste, insbesondere vor der Ungewissheit des Krankheitsverlaufs, vor den Belastungen durch die Therapie oder vor dem offenen Umgang mit der Familie. Mitunter können unsere Klienten aufgrund der Extremsituation und dem hohen Stress, der meist durch die Diagnose ausgelöst wurde, dem Arztgespräch nicht immer folgen. Es fällt ihnen schwer, sachlich und strukturiert zu denken. Zurück bleibt Unsicherheit. Dann suchen wir gemeinsam nach Klarheit, Halt und möglichen Perspektiven, verringern gemeinsam die durch hohen Stress entstandenen Blockaden und raten meist zu einem weiteren Gespräch mit ihren Ärzten. Das Gespräch mit dem Arzt ist wichtig, um kooperativ eine Entscheidung für die geeignete Behandlung zu entwickeln.

Zusätzliches Angebot ab Frühjahr 2020
Einmal im Monat bieten wir für Klienten, die an einer Tumorerkrankung leiden, eine psychoedukative Gesprächsgruppe mit bis zu zehn Personen an, die unter Anleitung einer Therapeutin/Beraterin zusammenkommen, sich gegenseitig stärken und belastende Themen bearbeiten können. Interessierte können sich ab sofort melden.

Finanzierung der Beratungsstelle
Unser Beratungszentrum ist eine Einrichtung mit ausgebildeten Fachkräften. Zur Finanzierung wurde der Förderverein „Mit Krebs Leben e. V.“ gegründet, der die finanzielle Grundlage für die Beratungen schaffen möchte. Kein leichtes Unterfangen. Deshalb gehören zusätzlich das Schwarzwald-Baar Klinikum, das Landratsamt und der Caritasverband des Landkreises Schwarzwald-Baar zu den Trägern. Im Moment ist die Gesetzeslage zu einer staatlichen Finanzierung nur so weit bekannt, dass künftig zirka 40 Prozent der Kosten abdeckt werden könnten. Ob es dazu Mitte des Jahres kommt, ist noch unsicher. Deshalb brauchen wir dringend die Unterstützung der Bevölkerung, die sich als Mitglieder des Fördervereins oder als Sponsoren einbringen können.

Positive Einstellung ist guter Krankheitsbegleiter
Eine positive Grundstimmung ist gut für den Krankheits- und Behandlungsverlauf. Es gibt viele hilfreiche Methoden, über die wir mit unseren Klienten sprechen. Für Hans-Peter Olma ist eine davon das Sonnenstrahltagebuch: „Ich meine damit nicht den erkennbaren Sonnenschein, sondern bildlich gesprochen den einzelnen ‚Strahl‘, der gefühlt aufgeblitzt ist und gut getan hat. Das kann ein Lächeln sein, der Anruf einer lieben Person, der Besuch der Enkelin … Gemeint ist einfach das, was heute mein Lichtblick war, der mir zeigt, dass mein Leben nicht nur aus bedrückenden Ereignissen und Gedanken besteht, sondern trotz allem lebenswert ist.“

Die Psychosoziale Krebsberatungsstelle
Adresse: VS-Villingen, Gesundheitsamt, Herdstraße 4, Zimmer 102 im Erdgeschoss.

Parkmöglichkeiten vor dem Gebäude, Anfahrt mit Bus (Linien 7 und 8, Haltestelle „Hotelfachschule“) beziehungsweise Zug bis Villingen Bahnhof. Rollstuhl-Zufahrt über den Hof. Behindertentoilette im Gebäude.

Terminvereinbarung telefonisch unter (07721) 9137187 zu folgenden Zeiten:
Montag bis Freitag: 8.00 bis 11.30 Uhr und Montag bis Mittwoch zusätzlich 14.00 bis 16.00 Uhr sowie Donnerstag 14.00 bis 17.30 Uhr.

Förderverein „Mit Krebs Leben e. V.“

Anfragen zum Spendenkonto der Sparkasse beziehungsweise der Volksbank SBH per
E-Mail: hilfe@mitkrebsleben-sbh.de

Weitere Informationen unter: www.mitkrebsleben-sbh.de

"Ohne Überweisung vereinbaren Klienten mit unserer Mitarbeiterin telefonisch einen Termin."

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Eine Klientin in der Psychoonkologischen Beratung mit Susanne Scheiber.
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