Magazin | MutMacher
Manfred Schmedemann (43)

„Ich möchte gern leben, darum muss ich mich schützen“

„Ich war heute in der Suchtberatungsstelle in Villingen und habe die Kostenzusage bekommen. Mein nächstes Ziel ist eine Alkoholtherapie. Darüber freue ich mich. Es ist meine vierte Therapie. Wegen eines Alkoholrückfalls habe ich leider einiges vergeigt. Seit zwei Jahren wohne ich im geschlossenen Wohnbereich in der Seniorenresidenz in der Hirschhalde in Bad Dürrheim. Seit ein ein paar Wochen habe ich freien Ausgang. Ich kann raus und wohin und wie lange ich möchte. Das ist schön, aber auch schwierig. Bin ich zu Fuß, habe ich das Gefühl, die Leute schauen mich an und spüren meine Unsicherheit. Die Lösung ist mein Fahrrad. Ich habe bei uns im Heim Fahrräder repariert, und eins gehört jetzt mir. Zum Einkauf fahre ich mit dem Rad, da konzentriere ich mich aufs Fahren. Sofort geht es mir besser. Vor kurzem habe ich über facebook meinen Bruder wiedergefunden. Er wohnt in Berlin und hat geglaubt, dass ich nicht mehr lebe. Er möchte, dass ich zu ihm komme. Vielleicht kann ich nach der Therapie das Bundesland wechseln und dort in einem Betreuten Wohnen leben. Allein da draußen zu leben, kann ich vergessen. Das traue ich mir nicht zu. Wenn ich nur ein paar Tage weg vom Heim bin, fange ich an zu trinken, weil ich glaube, es merkt keiner. Lerne ich mal eine Freundin kennen, leide ich unter starken Verlustängsten und Eifersucht. Dann kommt wieder ein Rückfall. Hier in der Betreuung brauche ich keinen Alkohol. Wir sind ein tolles Team, das ist mein Zuhause und ich fühle mich wohl. Wenn ich keinen Halt habe, geht es wieder los. Vier Jahre habe ich Ecstasy genommen, dann kam der Alkohol dazu. Das hat mein Leben zerbrochen. In unserem Heim gibt es eine Holzwerkstatt. Am liebsten mache ich Auftragsarbeiten, im Moment baue ich ein Vogelhaus. Meine Tierfiguren haben schnell neue Besitzer gefunden. Für mein Zimmer habe ich einen Tisch gebaut. Die Füße sind vom Müll und der Rest ist Handarbeit. Unser Haustechniker sagt, ich sei ein Perfektionist. Mit ihm arbeite ich gern zusammen, er ist mein Chef, das klappt hervorragend. Mein Ziel ist, ich will draußen arbeiten können, vielleicht einen halben Tag. Ich habe leider gesundheitliche Probleme. Mein zweites Ziel ist, trocken zu bleiben. Wenn es nicht klappt, lebe ich nicht gern. Deshalb muss ich es schaffen.“