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Ein Bestattungsvorsorgevertrag entlastet Angehörige

Gute Beratung erfordert Zeit und Fingerspitzengefühl

Der Tod bringt nahestehende Angehörige oft in einen Ausnahmezustand. Trauer, Abschied nehmen, Verantwortung für die Bestattung, Ämter informieren – Wege bauen sich wie ein unüberwindbares Hindernis auf. Beerdigungsinstitute bieten viel Service, damit Zeit für die letzten Stunden des Abschiednehmens bleibt. Eine Möglichkeit, Angehörige zu entlasten, ist die Vorsorge. Georg Wolniczak (rechts im Bild) möchte bereits zu Lebzeiten seine Bestattung regeln. Gemeinsam mit Dustin Schubert, dem neuen Inhaber der Firma Bestattungen HAFA in Rottweil und Trossingen, bespricht er seine Wünsche und viele Details für einen Bestattungsvorsorgevertrag.

 

Georg Wolniczak mag es mit Humor: „Ich muss halt sehen, wo ich im Alter bleibe„
Georg Wolniczak ist 57 Jahre alt und leidet an einer unheilbaren Krankheit. Angehörige wohnen 850 Kilometer entfernt. Über seinen Tod zu reden, fällt ihm nicht schwer. Er will selbst entscheiden, wie sein letzter Weg gestaltet werden soll, und hat dafür bereits eine Sterbeversicherung abgeschlossen. Notwendige Papiere für den Abschluss eines Bestattungsvorsorgevertrages hat er mitgebracht und genaue Vorstellungen von seinem letzten Weg.“Ich möchte eine Feuerbestattung und in meine Urne sollen Gummibärchen auf die Asche gelegt werden, weil ich die am liebsten mag. Toll, dass man auch ausgefallene Wünsche äußern kann. Wer mich überlebt und zur Trauerfeier kommt, weiß ich heute nicht, aber eine anständige Bestattung ist mir wichtig. Ich habe festgelegt, dass zuerst mein Bestatter von meinem Ableben erfahren soll, er muss ja auch die Sterbegeldversicherung lösen können. Deshalb muss ich seine Adresse ab jetzt immer bei mir tragen. Bei meiner Trauerfeier möchte ich im Sarg liegen und ein Pfarrer soll die Rede halten. Das fand ich bei meinem Vater schon sehr schön. Einen Organisten brauche ich nicht. Ich möchte Musik von meinen eigenen CDs und werde mich noch zwischen der Gruppen „Kraftwerk“, AC/DC oder den singenden Mönchen entscheiden. Vom Sarg habe ich klare Vorstellungen. Er muss schnell verbrennen, darf nicht lackiert sein, soll hochwertig und trotzdem schlicht aussehen. Meine Wahl fiel auf eine furnierte Kiefertruhe mit passenden Holzgriffen. Eingekleidet werde ich mit einem Talar. Meine Urne soll in einem Gemeinschaftsgrab auf dem Stadtfriedhof beigesetzt werden. Ich hab mir eine mit Herbstbaum ausgesucht, die passt am besten zu mir. Ein Baum schenkt Leben und mein Spruch ist ‚Hoch hinaus und tief verwurzelt‘. Ich bin tief in meinen Humor verwurzelt und wollte beruflich immer hoch hinaus. Leider war mir das durch meine Krankheit nicht vergönnt. Für den Blumenschmuck und an wen der eventuelle Überschuss meiner Versicherung gezahlt wird, muss ich mir noch überlegen. Wir haben dazu einen zweiten Termin vereinbart.“

 

Bestatter Dustin Schubert:
„Ich finde gut, wenn sich Menschen trauen, ihre Wünsche zu äußern“

Dustin Schubert nimmt sich viel Zeit für das erste Gespräch mit Georg Wolniczak. „Der Bestattungsvorsorgeauftrag wird so aufgenommen, als sei der Kunde schon verstorben. Ich mache mir Notizen, versuche zwischen den Zeilen zu hören und ein Gefühl zu bekommen, wer der Kunde ist und wie wir seinen Wünschen gerecht werden können. Allerdings sind spätere Änderungen oder neue Wünsche Zeit seines Lebens immer flexibel anpassbar. Nach seinem Ableben ist sein letzter Wunsch für uns und die Angehörigen fest bindend. Nach den Fragen zu Personalien, Rentenversicherung, Krankenkasse, Konfession etc. gehen wir in die Details. Die Bestattungsvorsorge besteht aus drei Bestandteilen. Erstens, was sich der Kunde nach seinem Versterben wünscht und was nicht. Zweitens, ob städtische Kosten anfallen und wo und wie er beigesetzt werden möchte. Der dritte Teil ist die Regelung der finanziellen Angelegenheiten.
Oft denken die Menschen, dass jede Bestattung gleich ablaufen muss. Das ist ein Irrtum. Wir bieten eine breite Palette an Möglichkeiten. Die Motivation für eine Bestattungsvorsorge ist sehr vielfältig. Manche möchten alle ihre Wünsche festgelegt wissen, andere ihre Familie entlasten und nicht wenige haben überhaupt keine Angehörige, denen sie ihre Bestattung überlassen können. Es ist nicht unüblich, dass bei der Trauerfeier nur der Pfarrer, der Organist und ich dabei sind. Selbstverständlich erfüllen wir alle religiösen Wünsche und können uns auch auf jüdische und muslimische Bestattungen einstellen. Oft reicht für den Vertragsabschluss, der übrigens bei uns kostenlos ist, ein Gespräch nicht aus. Aus mehreren Katalogen können die Kunden unter einer Vielzahl von Sargmodellen, Urnen und Trauerschmuck wählen. Da ist viel Beratung mit Fingerspitzengefühl notwendig. Alles soll mit Bedacht ausgewählt werden können. Oft erleben wir auch, dass die Kunden ihre eigene Trauerrede schreiben möchten. Möglich ist fast alles. Wenn es gewünscht ist, informieren wir Rundfunk- und Stromanbieter sowie alle vertraglich gebundenen Institutionen über das Ableben. Dazu muss uns der Kunde die Kontaktdaten geben. Ausführliche Beratung erfordert auch die Entscheidung für eine Grabart. Der Trend geht zunehmend zu pflegeleichten Gräbern und zum Friedwald. Ein Thema, um den Rahmen der Kosten abstecken zu können, ist auch die Finanzierung. Es kann eine Sterbegeldversicherung über die gewünschte Summe – wie bei unserem heutigen Kunden – abgeschlossen werden. Eine Option ist auch ein Treuhandvertrag oder das klassische Sparbuch. In allen drei Fällen erhalten wir als Bestatter nach Einreichen der Sterbeurkunde das benötigte Geld. Der Kunde hat aber auch die Möglichkeit, Zeit seines Lebens das Geld zurückzuziehen. Bleibt Geld übrig, überweisen wir es an benannte Angehörige oder Institutionen. Grundsätzlich raten wir davon ab, einem Bestatter das Geld direkt zu überweisen. Das ist nicht zeitgemäß und kann bedeuten, dass, wenn der Bestatter aus irgendwelchen Gründen in die Insolvenz geht, das Geld weg ist. Wir machen unseren Kunden Mut, uns wirklich ihre letzten Wünsche zu nennen, auch wenn es ihnen selbst ungewöhnlich vorkommt.“

WEITERE INFORMATIONEN

Bestattungsgesellschaft HAFA mbH
78628 Rottweil
Telefon: (0741) 23 666
www.bestattungen-hafa.de